Sandro Cortese

Frank Eberhard

Bodenständiger Weltenbummler

Sandro Cortese aus Berkheim gewährt Einblicke in das Leben

eines Motorradprofis, schwärmt vom Tauchen und seiner Heimat

Memmingen Ausgerechnet der Spitzensportler Sandro Cortese muss es beim Spaziergang durch den Stadtpark langsam angehen lassen. Bei einem Renn-Sturz im spanischen Jerez riss er sich das hintere Kreuzband an und musste ein Rennen aussetzen. Doch der Motorradprofi lässt sich davon weder die gute Laune noch seinen Optimismus vermiesen. 14 Rennen liegen in dieser Saison noch vor dem 26-Jährigen. Er sieht das Team des Memminger Rennstalls Intact GP, für das er fährt, unter den drei besten der Moto-2-Klasse.

 

Beim gemächlichen Spaziergang durch den Stadtpark Neue Welt geht es ausnahmsweise mal nicht vorrangig ums Motorradfahren. Natürlich konzentrieren sich Corteses Gedanken auf das nächste Rennen am 22. Mai in Mugello, Italien. Doch der Berkheimer lässt hinter die Kulissen eines Lebens im Profisport blicken. Ein

Leben, das ihn gelehrt hat, dass er nie woanders hinziehen will. Für Cortese spielt sich alles im Memminger Raum ab. Nicht zuletzt, weil hier seine Freunde leben. Wie wichtig gute Freundschaften sind, hat der Erfolg dem Moto-3-Weltmeister verdeutlicht. Plötzlich wollten Leute, die er nur vom Hallo- und Tschüss-Sagen kannte, seine Freunde sein.

 

„Viele junge Leute sagen immer, dass sie hier weg wollen“, sagt Cortese. Doch unterwegs in der Welt habe er gesehen, wie gut das Leben in unserer Region ist. „Wir meckern hier auf extrem hohen Niveau“, sagt er. Erst Anfang April, beim Rennen in Argentinien, habe er viel Armut erlebt: „In dieser Region hatten viele Leute nicht mal Fenster in den Häusern. Die Jugendlichen machen viel Sport, weil sie nicht viel anderes zu tun haben, anders als die Handy-Generation hier.“

 

Wenn Cortese so etwas sagt, klingt er sehr erfahren. „Manchmal komme ich mir schon etwas älter vor“, sagt er. Schließlich fährt er seit 15 Jahren internationale Rennen. Er ist viel mit Älteren unterwegs und mit Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern in Kontakt. Während der acht bis neun Monate, die Cortese jährlich reist, sammle er viel Erfahrung.

 

Trotzdem hat er noch nicht genug von fremden Ländern. Nach einer Rennsaison nimmt er sich immer Urlaub und verreist. Zuletzt zogen Cortese und ein Kumpel mit dem Rucksack durch Thailand. „Aber in die Ecken, wo keine Touristen sind.“ Dort hat er auch eine Leidenschaft ausgelebt, die nichts mit Motorradfahren zu tun hat – das Tauchen. Begeistert spricht er davon, wie er sich unter Wasser orientiert, wie er sich an den Druck gewöhnt und wie viel Selbstdisziplin bei einem Tauchgang im Meer nötig ist.

 

Tägliches Training

 

Beim Wort Selbstdisziplin schließt sich auch wieder der Kreis zum Rennzirkus. Denn die braucht Cortese, wenn er Zeit in seiner Wohnung in Berkheim verbringt. „Ich stehe gegen sieben Uhr morgens auf und fange an zu trainieren“, sagt er. Dabei schwingt er sich aufs Rennrad, aufs Mountainbike oder arbeitet gemeinsam mit seinem Konditionstrainer Peter Lehmann aus Amendingen an seiner Fitness. Denn für Cortese ist klar: Er will solange wie möglich Rennen fahren und seiner größten Leidenschaft frönen – dem Motorradsport. Auch nach der aktiven Rennfahrerkarriere, vielleicht in zehn Jahren, will er dabeibleiben und die nächste Fahrer-Generation fördern.

 

 

Zur Person

 

● Herkunft Alessandro, kurz Sandro, Cortese kam am 6. Januar 1990 in Ochsenhausen zur Welt.

● Beruflicher Werdegang Cortese legte 2006 an der Realschule in Erolzheim die mittlere Reife ab. Bereits als Schüler fuhr er im Jahr davor seine erste komplette Weltmeisterschaftssaison in der 125-Kubikzentimeter-Klasse. Nach dem Schulabschluss stieg er als Profi ein. Bisheriger Höhepunkt seiner Karriere ist der Weltmeistertitel von 2012 in der Moto-3-Klasse. Seit 2013 fährt Cortese im Memminger Intact GP Team in der Moto-2-Klasse.

● Familie Cortese ist Single.

● Freizeit Rennrad- und Mountainbikefahren sind für Cortese Training und Hobby zugleich. Zudem spielt er Tennis und geht auf Reisen zum Tauchen. Abends trifft er sich gerne mit Freunden in Memmingen zum Essen oder im Kino.

 

 

Erschienen am 20. Mai 2016 in der Memminger Zeitung

 

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